
KI-Readiness und Digital-DNA in Medizin & HealthTech: Technologie für Menschen, nicht statt Menschen
Wissen
Künstliche Intelligenz und Robotik verändern das Gesundheitswesen, jedoch nicht, indem sie Menschen ersetzen. Vielmehr geben sie ihnen Zeit, Fokus und Handlungsspielraum zurück. An der Swiss Medtech Expo wurde eindrücklich gezeigt, warum KI-Readiness weit mehr ist als eine technologische Frage und weshalb die digitale DNA im Gesundheitswesen über den Erfolg entscheidet.
Vorne weg: Die grafische Zusammenfassung

Mehr Zeit für Patienten – das eigentliche Ziel
Technologie darf kein Selbstzweck sein. Der wahre Wert von KI liegt darin, Menschen mit teils erheblichen Hebelwirkungen durch die KI-Anwendung zu entlasten und ihnen wieder Zeit für das Wesentliche zu geben: Die direkte Versorgung, das Gespräch, die Empathie und letztlich mehr Zeit für Patient:innen.
- Transkriptionen & Dokumentationsassistenten: Bis einzelne Stunden pro Tag können eingespart werden – Zeit, die hoffentlich zurück zu Patient:innen ins «Kunden- / Patienten- / Angehörenden-Erlebnis» oder in die Qualitätsarbeit fliesst.
- Agenten, Virtuelle Assistenten & Chatbots: Routinefragen oder Recherchen werden automatisiert durchgeführt, vorgeschlagen oder gar teilweise autonom beantwortet, teilweise auch zur Entlastung der Notfallaufnahmen. Das «digitale Interaktionserlebnis der Patient:innen» kann optimiert werden, bis hin zu einer Art «Self Service Bot und Agent» über 7×24 Stunden als ergänzender Ansprechspartner. Dies auch ausserhalb der Sprechstunden, Pflegezeiten und Praxisöffnungszeiten.
- Optimierte Abläufe: KI hilft bei der Automatisierung, Effizienzsteigerung, Planung, Diagnose, Therapie, Nachsorge, Prognose und Ressourcenverteilung – für höhere Qualität, bessere Entscheidungsgrundlagen und weniger Belastung und Stress im Alltag.
- Medtech und Robotik als Antwort zu Fachkräftemangel in der Pflege: Robotik kann in Zukunft Pflegekräfte entlasten, indem sie repetitive und körperlich belastende Aufgaben unterstützt oder vielleicht gar mal übernimmt. So bleibt mehr Zeit für die direkte Betreuung der Patiente:innen. Die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine erhöht Effizienz und Versorgungssicherheit, ohne den Menschen zu ersetzen. Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz sind Vertrauen, Transparenz und ethische Standards. Die Technologie muss zuverlässig, sicher und adaptiv funktionieren und die Privatsphäre sowie die Würde der Patienten respektieren. So kann Robotik einen entscheidenden Beitrag leisten, um den Fachkräftemangel zu bewältigen und die Pflege zukunftsfähig zu gestalten.
Mehr Zeit für Menschen ist kein Nebeneffekt – es ist das strategische Ziel und eine Aufgabe für die nächsten Generationen.
Der erste Mensch mit 120 bis 150 Jahren Lebenserwartung ist bereits geboren
Ein seitens Fridel Rickenbacher erörterter Gedanke, der auf der Swiss Medtech Messe Luzern für Aufsehen sorgte: Der erste Mensch mit einer potenziellen Lebenserwartung von über 120 bis rund 150 Jahren ist bereits geboren. Diese Aussicht stellt das Gesundheitswesen bzw. die Medtech vor völlig neue Herausforderungen:
- Langzeitversorgung neu denken: Wie begleiten wir Menschen über ein Jahrhundert hinweg medizinisch und gesellschaftlich? Werden die qualifizierten Pflegekräfte, Roboter, Ärzt:innen und Einrichtungen dafür in nötiger Qualität und Quantität vorhanden und ausgerichtet sein?
- Technologie als Lebensbegleiter: Sensorik, Robotik, Bots und KI müssen über Jahrzehnte hinweg zuverlässig, sicher und adaptiv funktionieren. Das erfordert auch eine angepasste Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit und Lebenszyklen solcher Systeme.
- Ethik & Governance über Generationen: Ethik, Datenschutz, Schutz der digitalen Identität und Souveränität, Fairness und Transparenz müssen langfristig gewährleistet sein. Eine dynamischere zu justierende Balance zwischen Regulation und Innovationskraft sollte kürzere Innovations- und Entwicklungs-Zyklen ermöglichen und unterstützen.
- Personalisierte Medizin & Prävention: KI kann helfen, individuelle Risiken frühzeitig zu erkennen und vorallem auch dynamische, auf Sensordaten basierende Therapien über Jahrzehnte zu begleiten.
- Neue KI-unterstützte Geräteklassen sind am Start: In der Industrie, und in der Folge auch im Gesundheitswesen, entstehen aktuell neue Geräteklassen, die KI, Sensorik, Haptik und Robotik in neue Formfaktoren integrieren, wie z.B. KI-Brillen, KI-Wearables, KI-Hörassistenz. Diese unterstützen medizinisches Personal durch automatisierte Diagnostik, intelligente Assistenzfunktionen und adaptive Sensorik. Sie ermöglichen effizientere Abläufe und eröffnen neue Möglichkeiten für die Versorgung und Prävention. Insbesondere in der verlängerten Versorgung und Pflege im häuslichen Umfeld.
- Auch Patient:innen und Konsument:innen profitieren direkt: KI-basierte Wearables und Sensoren überwachen Gesundheitsdaten kontinuierlich, erkennen Risiken frühzeitig und geben individuelle Empfehlungen. Virtuelle Assistenten und Bots bieten rund um die Uhr Unterstützung, erleichtern den Zugang zu Informationen und ermöglichen eine bessere Selbstbestimmung im Umgang mit der eigenen Gesundheit.
- Private Public Partnership in der verlängerten Heimbetreuung durch KI und Robotik: Die Zusammenarbeit von öffentlichen Institutionen und privaten Unternehmen ist entscheidend, um innovative KI- und Robotiklösungen in der verlängerten Heimbetreuung zu etablieren. Auch vor dem Hintergrund der absehbaren mangelnden Anzahl Patientenplätzen. Solche Partnerschaften bündeln Ressourcen und Know-how, um intelligente Assistenzsysteme (KI, Robotik), automatisierte Abläufe und personalisierte Betreuungslösungen flächendeckend einzuführen. Davon profitieren sowohl Pflegekräfte als auch Patient:innen von effizienteren Prozessen, höherer Versorgungssicherheit und einer besseren Lebensqualität im möglichst lange nutzbaren, häuslichen Umfeld.
Diese Zukunft ist keine Science-Fiction, sie beginnt jetzt. Und sie verlangt von uns, Technologie nicht nur zu entwickeln, sondern verantwortungsvoll zu gestalten.
Secure Intelligent Agentic Work & Assistance: Mensch-Maschine-Kollaboration neu gedacht
Die Zukunft der Arbeit im Gesundheitswesen ist agentisch: Mensch und KI, beziehungsweise Robotik agieren als Team. KI und Roboter werden zu Assistenten und in einem passenden Rahmen beauftragte Agenten – nicht zum Ersatz.
- Agentisches Arbeiten: KI übernimmt repetitive Aufgaben, liefert Entscheidungshilfen und unterstützt mit besseren, umfassenderen Datengrundlagen bei komplexen Analysen und Befunden.
- Sicherheit & Transparenz: Jede Interaktion mit KI muss nachvollziehbar, transparent, erklärbar, ethisch und datenschutzkonform sein. Sogenannte «by design / by default»-Prinzipien sind zentral – insbesondere bei Themen wie Datenschutz, Datensicherheit, Datenqualität, Patientensicherheit, Erklärbarkeit, Transparenz, Souveränität, Governance und Ethik.
- Ko-Kreation statt Kontrolle: Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. KI erweitert den Handlungsspielraum und Entscheidungsgrundlagen, nicht die Verantwortung und Entscheidung, die beim Menschen bleibt – basierend auf Fachexpertisen, kontextbasierenden Erfahrungen und gesundem Menschenverstand, gepaart mit kritischem Denken. Denn: «Wissen ohne kontextbasierte Erfahrung und Expertise ist nichts.»
Diese neue Arbeitsweise und Assistenz erfordert Vertrauen, Schulung und klare Governance- und Ethik-Strukturen.
Fazit: KI für Menschen, nicht statt Menschen
KI-Readiness, auch in der Medizin und Gesellschaft, ist kein IT-Projekt, sondern ein strategischer Kulturwandel. Wer heute in Toolset, Skillset und Mindset investiert, gestaltet aktiv die Zukunft der Technologie, KI, Robotik und Medizin. Eine Zukunft, in der Technologie die Medizin nicht nur dominiert, sondern vorallem dient. In der Menschen länger leben und dabei besser versorgt und begleitet werden.